Der Außenhandel

 

Der Außenhandel umfasst alle betriebswirtschaftlichen Tätigkeiten bei der Unterhaltung von wirtschaftlichen Beziehungen zum Ausland.

Man unterscheidet zwischen Außenhandel im engerem Sinne, im weiterem Sinne und dem Gemeinschaftshandel.

Unter Außenhandel im weiterem Sinne versteht man den gewerbsmäßigen Güteraustausch über die Staatsgrenzen hinaus. Außenhandel im engeren Sinne ist der gewerbsmäßige Austausch von Gütern über die Grenzen des Gemeinschaftsgebietes(z.B. EU-Länder) hinaus.

Der Gemeinschaftshandel umfasst den gewerbsmäßigen Austausch mit EU- Ländern.

 

Bestimmungsfaktoren für Außenhandelsplätze

Bei der Auswahl von Außenhandelsplätzen gibt es verschiedene Bestimmungsfaktoren.

Es sollten Großbetriebe von Weltruf(z.B. Siemens AG) ansässig sein. Optimal ist eine starke Industrialisierung bei gleichzeitiger dichter Besiedlung und großem Bedarf an Einführungsgütern. Aus diesen Gründen ist Düsseldorf die Beschaffungszentrale für das Ruhrgebiet.

Ebenso ist es wichtig das Verkehrsknotenpunkte von internationaler Bedeutung vorhanden sind, wo die ein- und ausgehenden Waren kostengünstig umgeschlagen werden können.

Dienstleistungsbetriebe wie Banken, Versicherungsgesellschaften, Spediteure, Handelsmittler sowie hoch qualifiziertes Arbeitspersonal müssen zur Verfügung stehen.

Börsen, Auktionen und Messen erleichtern den Ein- und Verkauf der Waren.

Weitere Bestimmungsfaktoren sind Standorte an denen Sonderrechte für die Ein- und Ausfuhr von Waren gelten.(Zollfreiheit, Umsatzsteuerfreiheit in den Freihäfen, Hamburg). In Grenznähe hat sich oft ein reger Warentausch entwickelt.

Es müssen mehrere Bestimmungsfaktoren zusammenwirken, wenn ein Standort größere Bedeutung gewinnen soll.

 

Nachteile und Risiken bei Außenhandelsgeschäften

Risiken und Nachteile bei Außenhandelsgeschäften entstehen durch anders geltende Rechtsnormen im Ausland.

Waren müssen durch die oftmals weiten Entfernungen besser geschützt bzw. verpackt werden.

Durch instabile Währungen(siehe Euro) können Zahlungen erheblich voneinander abweichen. Dies kann sowohl ein Nachteil als auch ein Vorteil sein.

Staatliche Ausfuhr- und Einfuhrbestimmungen können sowohl den Abschluss als auch die Erfüllung von Außenhandelsverträgen beeinträchtigen.

Ebenso entstehen Risiken durch unterschiedliche wirtschaftliche und politische Entwicklungen in den Partnerländern

 

Export

Export ist die grenzüberschreitende Bereitstellung von wirtschaftlichen Leistungen(Waren) an das Ausland.

 

- AKTIVER DIENSTLEISTUNGSVERKEHR -

 

Direkter Export

In Deutschland erfolgt der überwiegende Teil des Gesamtexportes direkt, d.h. ohne Einschaltung von Exporthandelsunternehmen.

Der Inländische Hersteller schließt direkt einen Kaufvertrag mit dem Ausländischem Abnehmer ab.

Gründe für diese Entwicklung sind der verstärkte Zwang zum Absatz, als Folge der Ausweitung und Erhöhung der Produktion, sowie der Wunsch mit eigenen Verkaufsstrategien, gesicherte Umsätze zu erzielen.

Die vom Ausland verlangten langfristigen Zahlungsziele bei der Lieferung von Investitionsgütern, kann der Exporthandel nicht finanzieren. Ein weiterer Grund ist der technische Fortschritt im Verkehrs- und Nachrichtenwesen, der die Bezugs- und Absatzmärkte zusammenrückt und damit die Marktübersicht

Beim indirekten Export ziehen inländische Hersteller die Zusammenarbeit mit einem Exporthändler vor, da für sie direkt keine nennenswerten Umsätze auf den Auslandsmärkten erreichbar sind.

 

Indirekter Export

Der indirekte Export beobachtet, bearbeitet und pflegt die Auslandgeschäfte auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und sichert der einheimischen Industrie damit bestimmte Auslandsmarktbereiche.

Der indirekte Export stellt seine spezialisierte Vertriebsorganisation zur Verfügung.

Auf Grund der regelmäßigen Exporttätigkeit ist der Exporthandel in der Lage, z. B. den bestmöglichen und kostengünstigsten Transportweg zu wählen, durch Zusammenstellung mehrerer Kleinsendungen Minimalgebühren zu vermeiden, die erforderlichen Warendokumente kurzfristig und vollständig zu beschaffen. Es spricht außerdem noch für den indirekten Export, dass er typische Außenhandelskriterien wie Währungskrisen, Transportrisiken, Kreditrisiken und Zollrisiken vermeiden oder mindern kann.

Import

Der Import ist der grenzüberschreitende Bezug von wirtschaftlichen Leistungen (Waren) aus dem Ausland.

 

- Passiver Dienstleistungsverkehr -

 

Wie schon beim Export wird auch beim Import zwischen direkten und indirekten Import unterscheiden.

 

Direkter Import

Beim direkten Import nimmt der inländische Abnehmer die Ware direkt ohne Importhändler per Kaufvertrag vom ausländischen Verkäufer ab.

Bei großem Rohstoffbedarf bestimmter Großbetriebe ist die selbstständige Durchführung lohnend. Betriebe haben ein verstärktes Interesse an unmittelbaren Geschäftsverbindungen zu den ausländischen Lieferanten.

Die Einschaltung staatlicher Ausfuhrstellen in den Erzeugerländern, die als Anbieter ganzer Warengruppen auftreten, erleichtert dem Direktimporteur die Marktübersicht und mindert das Kontaktrisiko.

Durch geeignetere Lager und verbesserte Konservierungsmöglichkeiten ist die Lagerfähigkeit bestimmter Importgüter erhöht worden, sodass auch Direktimporteure ohne erhöhtes Qualitätsrisiko in größeren Mengen einkaufen und die Mengenvorteile nutzen können.

Des Weiteren lassen sich durch Einsatz moderner Kommunikationsmittel die Postlaufzeiten verkürzen und die Marktübersicht verbessern.

 

Indirekter Import

Beim Indirektem Import schließen sowohl der Ausländische Verkäufer als auch der Inländische Abnehmer einen Kaufvertrag mit einem Importhändler ab.

Z. B.: Ein Bremer Importhändler kauft Baumwolle in Ägypten und beliefert verschiedene Spinnereien in Süddeutschland.

Zu den Wirtschaftlichen Leistungen des Importhandels zählt, das er ähnlich wie beim Exporthandel die Ausländischen Märkte beobachtet, bearbeitet und pflegt. Er sichert vor allem Bezugsquellen für Rohstoffe und Produkte, die in Deutschland nicht oder nicht ausreichend vorkommen.

Durch die Spezialisierung auf bestimmte Waren ist der Importhändler in der Lage aus einer Vielzahl von Angeboten das günstigste auszuwählen.

Der Importhandel übernimmt eine Zeitüberbrückungsfunktion. Er überbrückt den Zeitraum zwischen Erzeugung und Verbrauch der Güter indem er zum Zeitpunkt des günstigsten Angebotes auf dem Beschaffungsmarkt einkauft und den Vertrieb so organisiert , dass er die Güter entweder bis zur Abnahme des Kunden einlagert oder sie entsprechend dem Bedarf der Kunden vom ausländischen Lieferanten abruft.

Der Importhandel übernimmt eine Mengenausgleichsfunktion. Er stellt die Güter zu handelsfähigen Mengen zusammen, indem er kleine Mengen zu einer größeren, kostenmäßig günstiger zu handelnden Menge zusammenstellt.

Durch Sortieren, Reinigen, Mischen, Umverpacken usw. verbessert der Importhandel die Qualität der Güter.

 

Der Transithandel

Der Transithandel wird fast ausschließlich von Aussenhandelsunternehmen betrieben. Der Transithändler kauft die Transitware von einem ausländischem Lieferanten ein und verkauft sie an einen Abnehmer in einem dritten Land.

- Die Gewinnspanne des Händlers ist oft erheblich hoch. -

 

Aktiver Transithandel

Wir sind Händler und haben Verbindungen zu anderen Ländern.

Käufer/Verkäufer Transithändler Käufer/Verkäufer

in Warschau in Hamburg in London

 

Passiver Transithandel

Wir sind Käufer/Verkäufer.

Käufer/Verkäufer Transithändler Käufer/Verkäufer

in Hamburg in Rotterdam in Chicago

Gründe für Transithandelsgeschäfte:

- Nachgefragte Waren können kostengünstiger von ausländischen Käufern bezogen werden

- Außenhändler müssen bei der Ausführung ihres Auftrages auf die Zulieferung ausländischer Waren zurückgreifen, weil diese Waren im Inland nicht produziert werden.

- Der Außenhändler will aus Kostengründen Warenmengen beziehen, die über die Aufnahmefähigkeit des Inlandmarktes hinausreichen.

Direktinvestitionen in Auslandsniederlassungen

Inländische Unternehmen verlagern ihre Produktion und Handelstätigkeit zum Beschaffungs- oder Absatzmarkt oder in ein Drittland, um von dort aus Außenhandel zu betreiben(Auslandsniederlassungen). Dadurch kann eine Bezugsorganisation bzw. Absatzorganisation nach eigenen Vorstellungen aufgebaut werden.

 

Marktnähe zu den Kunden

Erleichterung der Einkaufs- und Verkaufsverhandlungen

Schnelle Bearbeitung der Lieferangebote und Kundenwünsche

Bei Aufkauf kann der Know-how und Marktbekanntheit genutzt werden.

Niedrigere Lohnkosten, Grundstückskosten, Energiekosten, Steuern

Geringe Transportzeiten, Transportrisiken

 

Internationale Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures)

 

Aus Furcht vor wirtschaftlicher Abhängigkeit und Überfremdung schreiben viele Länder vor, dass bei Direktinvestitionen einheimische Partner beteiligt werden müssen. Jeder Partner bringt für ein Gemeinschaftsunternehmen das ein, was der andere nicht in gleicher Qualität besitzt:

 

Kapital

Technisches Know-how

Management- und Vertriebswissen

Marktkenntnisse

Gute Beziehungen zu Behörden

 

Voraussetzungen für Joint Ventures sind ebenso wie die Direktinvestitionen möglichst wenig staatliche Eingriffe in unternehmerische Entscheidungen.

 

Ein US-Unternehmen gründet mit einem westdeutschen Industriebetrieb ein Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von CD-Roms für den EU-Markt.

 

 

Quelle: Der Außenhandel von Klaus Olfert

Jahman - Verlag

9. Auflage

(download)

www.sanjoc.de