Sozialdrama
Regie: Mark Schlichter
Buch: Christian Jeltsch
Wirtschaftsconsulter Robert Vegener hatte nie vorgehabt, in seine Heimatstadt im Ruhrgebiet zurückzukehren Dort soll ausgerechnet er ein alles entscheidendes Gutachten für seine Firma über das Stahlunternehmen verfassen, in dem sein älterer Bruder als Stahlwerker und Betriebsrat arbeitet. Zwischen den Brüdern entbrennt ein erbittender Kampf um die Existenz des Werkes und um die Liebe einer Frau.
Der Film schildert die Entwicklung einer archaischen[1] Geschichte von Liebe und Verrat, von Freiheit, Zwang und Notwendigkeit. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Ruhrgebiet entwickeln Autor Christian Jeltsch und Regisseur Mark Schlichter das Drama zweier Brüder, wobei zugleich die Problematik einer ganzen Region deutlich wird: Stahlwerksschließungen und der Niedergang einer ganzen Industrie.
Robert
Vegener ( Roman Knizka )
Adam
Vegener ( Richy Müller )
“Arbeitsklasse“ ist ein ziemlich aus der Mode gekommenes Wort. Und die Zechen und Hochofen im Ruhrgebiet sind in den immer selteneren Filmen aus dem Milieu der Industriearbeiter nur noch Klischees einer vergangenen Epoche. Kohle und Stahl – wen interessiert das noch in den Zeiten der New Economy?
“Rote Glut“ ist ein bewegendes Drama um zwei ungleiche Brüder, eine anrührende Liebesgeschichte und ein spannender Wirtschaftskrimi zugleich. Dem Autor gelingt das Kunststück, an die Kämpfe der Stahlarbeiter um ihre Jobs aus einer neuen Perspektive zu erinnern, aus der Sicht ihrer Söhne und Töchter.
Robert arbeitet in einer Consultingfirma – nichts mehr erinnert an seine Herkunft aus einem einfachen Malocher-Haushalt in der Ruhrgebietsstadt Lothheim. Die ganze Stadt lebt von einem Stahlwerk. Hier arbeitet Roberts älterer Bruder Adam als Stahlkocher und als Gewerkschafter im Betriebsrat. Er setzt damit das Vermächtnis des Vaters fort – eines legendären Arbeiterführers, dem die Lothheimer sogar ein Denkmal gesetzt haben. Robert hatte andere Träume, verließ schon früh seine Familie, die Stadt, und damit auch seine Geliebte: Judith.
Robert stieg die Karriereleiter immer höher, seine Vergangenheit hinter sich lassend. Judith heiratete Adam.
Das Lothheimer Stahlwerk wurde von einem ausländischen Konzern übernommen, allerdings auf der Grundlage eines Gutachtens, das die nötige Investitionssumme viel zu niedrig angesetzt hatte. Ein Unfall, bei dem ein Arbeiter getötet wurde, lässt zudem vermuten, dass auch die Sicherheitseinrichtungen im Werk veraltet sind: das Stahlwerk hat keine Zukunft. Lothheim damit auch nicht, so sehr sich die Arbeiter, mit Adam an ihrer Spitze, auch gegen ihr Schicksal aufbäumen. Ausgerechnet Robert bietet sich seinem Chef nun an, ein neues, realistisches Gutachten über Lothheim zu erstellen, wohl wissend, dass dies den Todesstoß für das unrentable Werk bedeutet. Mit diesem Auftrag in Tasche fährt Robert zurück in seine Heimatstadt.
Welten trennen die Brüder mit der gemeinsamen Herkunft. Hier der Karrierist, für den nur Fakten zählen, dort der Arbeiter, der für sein Werk lebt und damit um seine Zukunft kämpft. Und zwischen ihnen Judith, die einmal das Zeug gehabt hätte, Sängerin zu werden, wenn sie Lothheim mit Robert verlassen hätte. Die alte Leidenschaft zwischen Robert und Judith glüht wieder auf – und mit ihr die Träume und Hoffnungen auf ein besseres und erfüllteres Leben. Adam spürt das. Seine Existenz und seine Ehe stehen auf dem Spiel. Der Jüngere bedroht, wofür der Ältere lebt.
Gleichzeitig entdeckt Robert, dass auch er nur ein Spielball der Mächtigen ist – getäuscht und benutzt von seinem Chef, um die verbliebenen Kunden des Lothheimer Stahlwerkes der Konkurrenz in die Hände zu spielen. Dafür war jedes Mittel recht – ein gefälschtes Gutachten mit unrealistischen Zahlen und sogar Sabotage. Robert findet heraus, dass die Kühlanlage für die Walzen abgeschaltet wurde, das war die Ursache für den tödlichen Unfall des Arbeiters. Für die Anlage war Adam zuständig. Ließ sich der eigene Bruder, der engagierte Vertreter seiner Arbeiterkollegen, von den Konzernherren für einen Sabotageakt bezahlen? Die Vergangenheit holt alle ein.
Quellen: Arte, Videotext
Homepage, www.spiegel-online.de
Film “Rote Glut“